Michaelskapelle

 
Michaelskapelle auf dem Michaelsberg bei Untergrombach (Westansicht)
„Weithin sichtbar ragt der geschichtlich bedeutsame Michaelsberg (272 m) mit der ihn krönenden Kapelle aus dem Westrand des Kraichgauer Hügellandes hervor. Von seiner Kuppe eröffnet sich ein weiter Rundblick über die Rheinebene zu den Pfälzer Bergen, zu den Höhen des Nördlichen Schwarzwaldes und zu den Bergen des Odenwaldes bei Heidelberg.“ [1]

 

Diese fantastische Lage und der damit verbundene großartige Ausblick haben die Menschen in dieser Gegend schon Jahrhunderte lang fasziniert und angezogen, wie man der Geschichte des Michaelsbergs entnehmen kann:

Aus der Geschichte des Michaelsberg  [2]:

3600 -2500 v.Chr. Jungsteinzeitliche Siedlung auf der Kuppe des Berges

(Michelsberger Kulturkreis)

500 v.Chr. Keltische Siedlungsspuren südlich der Kapelle
130 n.Chr.  Römischer Gutshof im Gewann Steinhaufen
6 / 7. Jhdt. Christianisierung der Franken; Michaelsheiligtum auf dem

Berg?

1311 Bischof Sigiboto II. schenkt das Engelhofgut dem

Marienbenefizium am Dom zu Speyer

1346  Erste urkundliche Erwähnung der Kapelle
1472 Bischof Matthias Ramung lässt durch Baumeister Hensel

Frosch anstelle der Holzkapelle einen gotischen Steinbau erstellen.

1742 / 44 Errichtung einer größeren Kapelle unter Fürstbischof

Damian Hugo von Schönborn; Baumeister ist Johann Georg Stahl

1754 – 1777 Eremitorium mit zwei Kapuziner-Patres; starke Zunahme

der Wallfahrt

1803 / 06 Säkularisation, Schließung und Verkauf der Kapelle und

des Engelhofgutes

1815 Versteigerung der Kapelle, Verwendung als Scheune,

Schweinestall, Schmiede und Bäckerei

1855 / 57 Rückkauf der Kapelle durch Pfarrer Kling für 800 Gulden,

nach Renovierung Wiederaufnahme der Gottesdienst und Wallfahrten

1865 – 1914 Eine Brüdergemeinschaft betreut die Kapelle
1907 / 09 Gründliche Renovierung, Kunstmaler Kitschker aus Bruchsal

malt die Michaelskapelle aus

1924 / 27 Benediktiner aus Beuron versuchen eine Klostergründung (sie

erwerben Stift Neuburg bei Heidelberg)

1945 Kapelle und Wohngebäude werden im zweiten Weltkrieg von

Granaten getroffen, können aber gerettet werden

1969 / 71 Umfassende Außen- und Innenrenovation
   

AblassText auf der Wandtafel: "Alle Christgläubigen, welche nach sakramentaler Beichte, eucharistischer Kommunion und Gebet nach der Meinung des Hl. Vaters am 29. September die Kapelle andächtig besuchen und dort das Vater Unser und das Glaubensbekenntnis beten, können einen vollkommenen Ablass erlangen. Dasselbe gilt für einzelne Pilger an einem anderen von ihnen selbst zu bestimmenden Tag des Jahres. Es gilt für Pilgergruppen so oft sie das Heiligtum besuchen , jedoch am selben Tag nur einmal. Die Ablässe können fürbittend den armen Seelen zugewendet werden."
Wie man an diesem kleinen geschichtlichen Überblick erkennen kann, kommen Menschen schon seit vielen Jahrhunderten an diesen Ort, um hier zu beten, Gottesdienst zu feiern, die Kapelle im Rahmen eines Ausfluges oder einer Wanderung zu besuchen. Die Kapelle macht den Michaelsberg somit zu einem regelrechten Wallfahrtsort. [2]

 

Die Michaelskapelle und ihre Ausstattung

Der Grundriss der Kapelle ist ihrer Form nach, die eines griechischen Kreuzes. Der hohe Innenraum wird dabei von einem flachbogigen Tonnengewölbe überbrückt und im Osten von einer flachen Apsis, im Westen vom Turm begrenzt.  [3]

Da die Michaelsbergkapelle zu Beginn des 19.Jahrhunderts der Säkularisation zum Opfer fiel und die damalige Inneneinrichtung infolgedessen verkauft wurde, musste man, nach dem Rückkauf von Herrn Pfarrer Kling im Jahre 1855, wieder neues Inventar anschaffen. Dies wurde jedoch dadurch erschwert, dass der Gemeinde Untergrombach durch den Kauf der Kapelle nur noch wenig finanzielle Mittel zur Verfügung standen. Glücklicherweise trennten sich in dieser Zeit einige Gemeinden von so manchen ihrer kirchlichen Einrichtungsgegenstände, welche ebenfalls im 18. Jahrhundert erschaffen wurden und somit perfekt zum barocken Stil der Michaelsbergkapelle passten.  [4]

St. Michael und sein Mythos

Der Heilige Erzengel mit dem Namen Michael, dessen Ursprung hebräisch ist und soviel bedeutet wie „Wer ist wie Gott?“, gilt im Christentum als Bezwinger des Teufels in Gestalt eines Drachens. Bereits im Mittelalter wird St. Michael in der christlichen Kunst nach der Apokalypse als der Kämpfer dargestellt, der schon vor Beginn der Schöpfung die aufrührerischen Engel stürzt. Zahlreiche Klöster und Kirchen, meist auf Bergen gelegen, dienen seiner Verehrung.  [5]

Darum gibt es auch zum Michaelsberg und zur Entstehungsgeschichte seiner Kapelle eine Sage über einen Drachen. Das Alter und die genaue Entstehung dieser Sage sind jedoch unbekannt. Es besteht allerdings die Vermutung, dass eben die Errichtung einer dem Erzengel Michael geweihten Kapelle Anlass für diese Drachensage war. Demnach hausten im Tal um den Michaelsberg herum überall viele Drachen und andere vergiftete Tiere, welche den Anwohnern und vorbeiziehenden Handelszügen das Leben schwer machten. Die Errichtung der Michaelskapelle sowie den dort regelmäßig stattfindenden Gottesdiensten, Wallfahrten und Prozessionen schließlich, habe diesem Spuk ein Ende bereitet.  [6]

Der Namenstag des heiligen Erzengels Michael ist der 29.September. Deshalb wird dieser Tag jedes Jahr mit einem großen Festgottesdienst in oder um die Kapelle herum begangen.

 


 [1] Lindenfelser, J.: Michaelskapelle bei Bruchsal-Untergrombach. In: Prospekt des
      PGR Untergrombach

 [2] Vgl. ebd.

 [3] Vgl. Lindenfelser, J. (1979): Die Michaelskapelle und ihre Inneneinrichtung.
      In: Heimatverein Untergrombach e.V. (Hg.): Michaelsberg bei
      Bruchsal-Untergrombach, S.9

 [4] Vgl. ebd.

 [5] Weitere Informationen über den Erzengel Michael finden Sie
      unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_(Erzengel)
      oder http://www.kathpedia.com/index.php/Erzengel_Michael

 [6] Vgl. Hassler, M; Schuhmacher, S. (1998): Von Drachen und Wallfahrten:
       Eine kleine Chronik des Hofguts und der Kapelle.  In: Hassler, M.: Der
       Michaelsberg. Naturkunde und Geschichte des Untergrombacher Hausbergs, S.104