Geschichte
Geschichtlicher Werdegang von Untergrombach
Vor 5 – 6 tausend Jahren wurden das Grombachtal, die angrenzenden Gebiete der Rheinebene und die Kuppe des Michaelsberges besiedelt. Die Siedler, die auf dem Untergrombacher Michaelsberg (Michaelsberge gibt es viele in Deutschland) waren Ackerbauern der Jungsteinzeit. Aufgrund der Bedeutung der Funde wird die gesamte Kultur dieser Epoche „Michelsberger Kultur" genannt.
Nach ihnen hinterließen die Kelten (400 v. Chr.) und die Römer (bis 260 n. Chr.) ihre Spuren im Grombachtal. Um 600 n. Chr. errichteten die neuen Herrscher Mitteleuropas, die Franken, Niederlassungen an unserem kleinen Bach, dem Grombach. Aus ihnen entstand das Dorf „Grombach", das erstmals 789 erwähnt wurde. Damals war die Kirche für den Pfarrsprengel "St. Martin" in Obergrombach. Wann das Dorf eine eigene Kirche erhielt ist nicht belegt. Aber bereits mit der politischen Selbstständigkeit des Ortes um 1200 muss eine eigene Kirche vermutet werden, zumal im 13. und 14. Jhdt. per Urkunde belegt, Pfarrer im Dorf residierten. 1338 ist die erste Pfarrkirche urkundlich erwähnt. Durch eine Verkaufsurkunde aus dem Jahre 1265 an das Hochstift Speyer erfahren wir von der Teilung der Urmark in die Dörfer Ober- und Untergrombach.
Die erste Kirche konnte der gewachsenen Seelenzahl der Gemeinde nicht lange genügen. 1474 war der Neubau einer gotischen Kirche unter Verwendung des alten romanischen Turmes zu vermelden. Bereits zwei Jahre zuvor wurde die 1346 erstmals erwähnte Holz-Wallfahrtskapelle auf dem Michaelsberg durch eine Steinkapelle ersetzt. Kapellen zu Ehren des hl. Michaels wurden häufig an alten heidnischen Kultstätten errichtet, um die Ablösung vom alten germanischen Glauben zu erleichtern. Das Fest St. Michael wurde daher bewusst auf dem Konzil von Mainz im Jahre 813 auf die früher dem Wotan geweihte Woche gelegt. Diese Art und Weise, den christlichen Glauben zu verbreiten und zu evangelisieren, war damals sehr beliebt, was andere Festlegungen von Feiertagen (z. B. Allerheiligen) belegen. Überlieferte Erzählungen wollen glaubhaft machen, dass auf dem 272 m hohen Michaelsberg ein Drache hauste, der die Bewohner des Grombachtales tyrannisiert habe. Die verzweifelten Menschen baten den Bischof von Speyer um Hilfe. Dieser sandte Mönche und soll die erste Michaelskapelle errichtet haben.
Welche Patrone die erste Untergrombacher Kirche hatte, ist nicht bekannt. 1657 werden erstmals die Heiligen Cosmas und Damian erwähnt. Es ist allerdings anzunehmen, dass dieses Patrozinium bereits beim Neubau der Kirche 1474 eingeführt wurde, denn in der Folge findet der Vorname Damian auffallend häufig Verwendung. Nur wenige Pfarrkirchen haben die syrischen Brüder – Ärzte, die im Jahre 303 in den Christenverfolgungen unter Kaiser Diocletian den Märtyrertod starben – als Patrone ausgewählt.
Um 1500 lebten in Untergrombach etwa 700-800 Menschen.
1502 rief der hier geborene Bauernführer Joß Fritz vergeblich unter dem Zeichen des Bundschuhs zum Aufstand gegen die Herrschenden auf. Zu Beginn des 30 jährigen Krieges wurden 1618 gar 800-900 Einwohner gezählt. Die Wirren des schrecklichen Krieges sowie die Pest dezimierte die Einwohnerzahl auf 122.
Im 17. Jhdt. bürgerte sich die heutige Schreibweise „Untergrombach" ein. Zuwanderer aus der Alpenregion halfen die stark dezimierte Bevölkerungszahl wieder anzuheben. Im 18. Jhdt. erholte sich das Land durch die kluge Politik der Fürstbischöfe. 1803 kam das Dorf zum Erzherzogtum Baden. 1813 wurden bereits 1100 Bewohner gezählt. Ende des 19. Jhdt. lebten bereits 2000 Bürger im Ort. Die Revolution von 1848 fand in Untergrombach viele Anhänger. Die Not war groß und viele sahen sich gezwungen in die „Neue Welt" auszuwandern.
Erst gegen Ende des 19. Jhdt. fanden die Männer in den Fabriken der Städte Arbeit. Auch die Frauen verdienten sich ein Zubrot in den zahlreichen Zigarrenfabriken Untergrombachs.
Die beiden Weltkriege verlangten große Opfer. Allein aus dem 2. Weltkrieg kehrten 244 Soldaten nicht mehr zurück. 445 Heimatvertriebene mussten nach 1945 im Ort aufgenommen und integriert werden. Aber der bald einsetzende wirtschaftliche Aufschwung heilte manche Wunden.
Um 1970 zählte Untergrombach ca. 5000 Einwohner. Mit Wirkung zum 01.07.1971 schloss sich der Ort der Nachbarstadt Bruchsal an, zu der traditionell und bis heute enge Bindungen bestehen. Zur Jahrtausendwende wurde mit dem „Sand" ein großes neues Baugebiet erschlossen, das einen erheblichen Zuzug vor allem junger Familien zur Folge hatte. Die gute Stadtbahnverbindung nach Karlsruhe und Bruchsal, das intakte Vereinsleben und die sehr gute Infrastruktur machen das Dorf zu einer beliebten Wohnstätte der badischen Residenz.
Von den Untergrombacher Pfarrern ist sicher Pfarrer Ignatius Kling hervorzuheben, der am 18.04.1855 für 800 Gulden von Schmied Franz Hornung und dem Landwirt Johannes Stelzer die Michaelskapelle zurückkaufte. Diese kleine Kirche wurde im Auftrag des Fürstbischofs Damian Hugo von Schönborn errichtet und im Zuge der Säkularisation in den Besitz des badischen Staates überführt. Zuerst sollte die Kapelle abgerissen werden, aber nach einer Nutzung als Schmiede, Schweinestall und Scheune gelang es dem Pfarrer Kling durch eine Spendenaktion das erforderliche Geld für den Rückkauf aufzubringen. Im September 1857, über ein halbes Jahrhundert nach der Säkularisation, wurde die Michaelskapelle wieder als Gotteshaus geweiht.
Pfarrer Ignatius Kling, der von 1838 - 1876 die Pfarrei betreute, ließ auch die heutige Pfarrkirche errichten. Er hatte über viele Jahre den Neubau der Kirche betrieben. Doch die wirtschaftliche Not in der Mitte des Jahrhunderts verzögerte das Vorhaben immer wieder. Zur Freude der ganzen Gemeinde konnte aber am Sonntag, dem 15. Sept. 1867, unter großer Beteiligung der kath. Bevölkerung von Untergrombach und der Umgebung die neu erbaute Kirche von Untergrombach eingeweiht werden. Die Weihe nahm Bischof Emanuel von Ketteler aus Mainz vor, da dem Erzbischof von Freiburg, Hermann von Vicari, wegen seines hohen Alters die Reise nach Untergrombach nicht mehr möglich war. Der gotische Vorgängerbau von 1474, der damals von Baumeister Hensel Frosch auf dem Gelände zwischen Pfarramt und der Straße nach Obergrombach, erbaut wurde, konnte die gestiegene Gläubigenzahl nicht mehr fassen – er war zu klein geworden.
Zu nennen wäre auch Pfarrer Dr. Benedict Kreutz, später Prälat und Präsident des Deutschen Caritasverbandes, der in seiner Amtszeit 1910-1920 auch den Bau des Elisabethenhauses betrieb. Dieses Haus wurde mit Schwesternwohnungen, Krankenpflegeabteilung, Kindergarten, Schulsaal und Volksbad seinerzeit zu einem sozialen Mittelpunkt für die Gemeinde. Heute dient das Haus immer noch als Kindergarten und Bibliothek.
Pfarrer Josef Hafner, der von 1963 bis 2007 seinen Dienst als Pfarrer in der Gemeinde versah, ließ in den 70er Jahren in der damals neuen Wendelinussiedlung neben der Grund- und Hauptschule einen neuen Gemeindekomplex errichten, der neben einem weiteren Kindergarten noch einen großen Pfarrsaal mit Küche und Nebenräumen beheimatet.
Am 27.01.2003 feierten die Untergrombacher Gläubigen die 40jährige Investitur von Pfarrer Josef Hafner.
Im Jahre 2003 sollte die Gaststätte, die mit der Michaelskapelle auf dem Michaelsberg Wallfahrern, Sonntagsausflüglern und Wandern Zuflucht, Kost und Logis bot, abgerissen werden. Die Gaststätte, das angrenzende Wohnhaus und der Grund und Boden gehörten einer Stiftung der Erzdiözese Freiburg. Das Ordinariat hatte den Abriss am 25.03.2003 beschlossen. Allein Pfarrer Hafner, der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Sylvia Holzinger und dem damaligen Pfarrgemeinderat ist es zu verdanken, dass das Areal mit der Gaststätte und dem Wohnhaus von der Pfarrgemeinde gekauft, renoviert und neu verpachtet wurde.
Pfarrer Hafner wurde am 27. Mai 1956 im Freiburger Münster zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er am 03. Juni 1956 in Ketsch, wo er nach der Vertreibung aus Ungarn, mit seinen Eltern eine zweite Heimat gefunden hatte. Von Anfang März 1957 bis Mitte April 1958 war Herr Pfarrer Hafner als Kaplan in Untergrombach tätig. Offensichtlich war der damalige Kaplan Hafner von Untergrombach und der Pfarrei beeindruckt, denn am 18. Oktober 1962 - Herr Pfarrer Adolf Schaub ging in den Ruhestand - trat er die Stelle als Pfarrvikar in Untergrombach an. Die feierliche Investitur als Pfarrer von Untergrombach erfolgte am 27. Januar 1963. Im Jahre 2006 feierte Pfarrer Josef Hafner sein 50jähriges Priesterjubiläum.
Pfarrer Josef Hafner trat nach 44 Jahren als Pfarrer in Untergrombach am 01.08.2007 in den Ruhestand. Die Pfarrgemeinde Untergrombach wurde nach einer dreimonatigen Vakanzzeit wie Heidelsheim, Helmsheim und Obergrombach Mitglied in der Seelsorgeeinheit Bruchsal Michaelsberg. Diese wurde mit Wirkung vom 01. Februar 2008 von Erzbischoff Robert Zollitsch errichtet und Pfarrer Claus Bohnert zum Leiter unserer Seelsorgeeinheit ernannt.









