Mein Glaube – vom Winde verweht

16.10.2026 | Leuchtfeuer-Gottesdienst vom 11. Oktober 2026

 
Am 11. Oktober lud das Leuchtfeuerteam zu seinem dritten Gottesdienst im laufenden Jahr 2026 in die katholische Kirche nach Untergrombach ein.
 
Manchmal geht es uns doch wie Elija oder den Jüngern auf ihrem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Vielleicht schien eben noch unser Glaube stark und unerschütterlich, aber nun scheint nichts mehr davon übrig zu sein. Wo ist Gott? Wo bist du dann, Gott?
 
Arnd, der an diesem Abend den Gottesdienst leitet, macht uns auf eine andere Bedeutung von „persönlichem Gott“ aufmerksam. Gott ist eben nicht nur eine „Person“, er nähert sich jedem von uns auf persönliche Weise. Bei Elija ist es nicht Sturm, nicht Feuersbrunst, nicht Erdbeben – es ist ein leises Säuseln des Windes, in dem die Nähe seines Gottes steckt. Die Emmaus-Jünger erkennen die Präsenz ihres Gottes im Brotbrechen eines bis eben noch fremden Mannes mit außergewöhnlichem Verständnis für die Prophezeiungen.
 
Dass die Genannten überhaupt diese Erfahrung machen konnten, hat ähnliche Vorgeschichten. An irgendeinem Punkt war der persönliche Kontakt dieser Menschen zu Gott abgebrochen. Elija hatte vermutlich an irgendeiner Stelle auf diese starken Zeichen gesetzt, die sein Gott ihm ermöglichte, hatte sich ganz darauf verlassen – und wurde enttäuscht. Denn bei den Angesprochenen änderte sich nichts.
 
Die Jünger hatten sich voll und ganz auf die starken Zeichen ihres Lehrers Jesus verlassen und dann starb dieser kläglich am Kreuz. Mit einem Schlag war alle Hoffnung zerstoben. Also finden wir auch hier enttäuschte Hoffnungen.
 
Es sind immer persönliche Erfahrungen mit der rauen Wirklichkeit, die mich ins Schleudern bringen, die mich auf mich selbst zurückwerfen, die das Schweigen zwischen mir und meinem Gott auslösen.
 
Aber dann – ohne, dass ich es sofort merke – sucht mich mein Gott. Aus dem großen Gott für alle wird ein persönlicher Gott ganz für mich allein. Da ist dann kein Glaube „von Amts wegen“, kein allgemein gültiger Zugang für alle. Er spricht mich persönlich an auf den Kanälen, die dann noch bei mir funktionieren. Es kommt nur darauf an, dass ich dann diese Kanäle abhöre.
 
Aber diese beiden Geschichten zeigen noch etwas anderes. In dieser Enttäuschung liegt auch der Weg zur Lösung, denn die Enttäuschung macht mich dünnhäutiger, macht mich durchlässiger für das Säuseln des Windes, das alltägliche Brotbrechen oder andere alltägliche Dinge, in denen mein persönlicher Gott versucht, das Gespräch wieder mit mir aufzunehmen.
 
Enttäuschung, Schmerz macht achtsamer. Enttäuschung, Schmerz zwingt uns zur Suche nach Auswegen. Enttäuschung, Schmerz ermutigt uns zur Umkehr. Enttäuschung, Schmerz kann uns wieder öffnen für die sanften Impulse Gottes, wenn uns die Welt hart und taub gemacht hat.
 
Im Anschluss fanden sich wie immer viele Teilnehmer noch im Hof des Gemeindezentrums St. Michael ein. Im gemütlichen Beisammensein bei Fingerfood und Getränken konnte man Eindrücke und Erfahrungen austauschen oder einfach die Gemeinschaft genießen.
 
Der nächste Leuchtfeuer-Gottesdienst findet am 28. November 2026 statt.
 

Quelle: Kath. Kirchengemeinde Edith Stein